Es ist wieder die Zeit der Nobelpreis-Verleihungen. Den wohl populärsten, den Friedensnobelpreis, hat überraschend US-Präsident Barack Obama erhalten.
Und das ist gut so.
Die Begründung des Kommitees enthält so abstrakte Worte wie “Vision” oder “ein neues Klima in der internationalen Politik” oder “Es geschieht selten, dass eine Person wie jetzt Obama die Aufmerksamkeit der Welt derart auf sich zieht und neue Hoffnungen auf eine bessere Zukunft entfacht.”
Gleich nach der Bekanntgabe hagelte es Kritik und zwar nicht nur von den üblichen Verdächtigen, sondern quer durch die Reihen. “Zu früh”, hieß es, oder “Der soll seinen Reden erstmal Taten folgen lassen!” oder “Wofür? Der hat doch noch nix getan. Das ist doch kein Vergleich zu früheren Preisträgern, wie Jimmy Carter, der jahrelang einen Brandherd nach dem anderen löschte oder gar wie Nelson Mandela oder San Suu Kyi, die für ihre Forderungen im Gefängnis litten.”
Nein, so geht das doch nicht, denken viele, man kann doch nicht jemanden auszeichnen, bloß, weil er Visionen hat oder Hoffnungen verbreitet. Für so einen Preis muss man ackern. Da müssen Blut, Schweiß und Tränen fließen, damit man von “verdient” reden kann.
Und das sehe ich anders: Natürlich gibt es an sehr vielen Orten konkreten Handlungsbedarf auf dieser Welt. Aber es bedarf dringend positiver Visionen, einer guten Stimmung, einer generellen Gesprächsbereitschaft, einer Lust am Handeln. Es muss en vogue werden, sich für Dinge einzusetzen, die der Menschheit dienen, selbst dann, wenn sie auf Kosten von Macht gehen. Und dazu bedarf es wiederum Personen, die das verstehen, aushalten und es vehement verbreiten. Das tat und tut Obama, indem er recht konkrete Visionen ausspricht und er wird dafür bejubelt, verehrt, geliebt. Damit schafft er die Möglichkeit, dass Menschen jeder Hautfarbe glauben können (=Hoffnung), ihr Handeln könnte zu etwas führen und das ist wiederum die Voraussetzung, dass sie überhaupt handeln.
Wir brauchen dringend humanistische Visionen damit die Errungenschaften der Aufklärung nicht verschütt gehen, sondern viel mehr weiter entwickelt werden.
Und wir brauchen Leitfiguren, die gesellschaftlich denken können, die also das Individuum hinter die gesellschaftlichen Bedürfnisse treten lassen können. Erst dann sind die unbestritten notwendigen Veränderungen wie z.B. in den Bereichen Umwelt und Wirtschaft möglich. Obama hat das Zeug dafür, Lust auf diese Veränderungen zu schaffen, mit Taten, aber eben auch mit Worten - mit Charisma. Er ist ein durchaus würdiger Friedensnobelpreisträger. ak berger


