15. Oktober 2009

Friedensnobelpreis 2009

Es ist wieder die Zeit der Nobelpreis-Verleihungen. Den wohl populärsten, den Friedensnobelpreis, hat überraschend US-Präsident Barack Obama erhalten.
Und das ist gut so.
Die Begründung des Kommitees enthält so abstrakte Worte wie “Vision” oder “ein neues Klima in der internationalen Politik” oder “Es geschieht selten, dass eine Person wie jetzt Obama die Aufmerksamkeit der Welt derart auf sich zieht und neue Hoffnungen auf eine bessere Zukunft entfacht.”

Gleich nach der Bekanntgabe hagelte es Kritik und zwar nicht nur von den üblichen Verdächtigen, sondern quer durch die Reihen. “Zu früh”, hieß es, oder “Der soll seinen Reden erstmal Taten folgen lassen!” oder “Wofür? Der hat doch noch nix getan. Das ist doch kein Vergleich zu früheren Preisträgern, wie Jimmy Carter, der jahrelang einen Brandherd nach dem anderen löschte oder gar wie Nelson Mandela oder San Suu Kyi, die für ihre Forderungen im Gefängnis litten.”
Nein, so geht das doch nicht, denken viele, man kann doch nicht jemanden auszeichnen, bloß, weil er Visionen hat oder Hoffnungen verbreitet. Für so einen Preis muss man ackern. Da müssen Blut, Schweiß und Tränen fließen, damit man von “verdient” reden kann.

Und das sehe ich anders: Natürlich gibt es an sehr vielen Orten konkreten Handlungsbedarf auf dieser Welt. Aber es bedarf dringend positiver Visionen, einer guten Stimmung, einer generellen Gesprächsbereitschaft, einer Lust am Handeln. Es muss en vogue werden, sich für Dinge einzusetzen, die der Menschheit dienen, selbst dann, wenn sie auf Kosten von Macht gehen. Und dazu bedarf es wiederum Personen, die das verstehen, aushalten und es vehement verbreiten. Das tat und tut Obama, indem er recht konkrete Visionen ausspricht und er wird dafür bejubelt, verehrt, geliebt. Damit schafft er die Möglichkeit, dass Menschen jeder Hautfarbe glauben können (=Hoffnung), ihr Handeln könnte zu etwas führen und das ist wiederum die Voraussetzung, dass sie überhaupt handeln.

Wir brauchen dringend humanistische Visionen damit die Errungenschaften der Aufklärung nicht verschütt gehen, sondern viel mehr weiter entwickelt werden.
Und wir brauchen Leitfiguren, die gesellschaftlich denken können, die also das Individuum hinter die gesellschaftlichen Bedürfnisse treten lassen können. Erst dann sind die unbestritten notwendigen Veränderungen wie z.B. in den Bereichen Umwelt und Wirtschaft möglich. Obama hat das Zeug dafür, Lust auf diese Veränderungen zu schaffen, mit Taten, aber eben auch mit Worten - mit Charisma. Er ist ein durchaus würdiger Friedensnobelpreisträger. ak berger

3. Juni 2009

11 Tipps gegen Lampenfieber

1. Bereiten Sie sich frühzeitig und gewissenhaft vor. Wenn Sie wissen, dass Sie Ihren Stoff beherrschen,
reduziert das in der Regel Versagensängste.

2. Erscheinen Sie rechtzeitig am Veranstaltungsort. So gewöhnen Sie sich bereits an die fremde Umgebung und können erste freundliche Kontakte zum Auditorium knüpfen.

3. Verzichten Sie auf Alkohol, Kaffee und Tee vor der Veranstaltung. Koffein und Teein verstärken bei vielen Menschen Ängste und Nervosität. Wenn Sie Alkohol für ein gutes Mittel gegen Auftrittsblockaden halten, suchen Sie im Internet nach Mp3-Files von Hubert Kleinert (FDP).

4. Bewegen Sie sich vor der Veranstaltung indem Sie z.B. Spazieren gehen. Bewegung baut Stresshormone ab. Vermeiden Sie aber zielloses Umhergehen vor dem Publikum.

5. Wenn Sie keine größeren Bewegungen mehr machen können, weil Sie schon im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, spannen Sie kurzzeitig größere Muskelpartien an, die das Publikum nicht sehen kann wie z.B. die Bauchmuskeln (die befinden sich theoretisch zwischen Gürtel und Solar Plexus), Oberschenkel oder Gesäß. Auch das baut Stress ab.

6. Atmen Sie mehrfach tief aber in Ihrem normalen Atemrhythmus ein. Beim Einatmen sollte sich der Bauch vorwölben. Hebt sich nur der Brustkorb wird das nichts: Die Schultern sollten unten bleiben.

7. Atmen Sie zu Beginn Ihres Vortrags aber erst einmal aus, bevor Sie anfangen zu sprechen. Viele unerfahrene Redner pumpen sich zu Beginn ihrer Darbietung regelrecht auf. Das führt zu Kurzatmigkeit und erhöht den Stress.

8. Erinnern Sie sich an andere Herausforderungen, die Sie schon bewältigt haben. Wie stolz werden Sie sein, wenn Sie auch das hinter sich gebracht haben?

9. Erlernen Sie eine Entspannungstechnik wie z.B. die Jacobsonsche Muskelrelaxation, Autogenes Training, Yoga, Chi Gung, Meditation oder Selbsthypnose. Probieren Sie mehrere dieser Methoden aus. Wenn Sie das Autogene Training nicht mögen heißt das nicht, dass Entspannung grundsätzlich nichts für Sie ist.

10. Trotzen Sie den Katastrophenfantasien: Das Publikum wird Ihnen in aller Regel wohl gesonnen sein. Malen Sie sich schon einige Tage vor dem Auftritt mehrfach im Geiste aus, wie Sie die Situation gut bewältigen. Wenn Sie merken, dass Sie schon ruhiger sind, können Sie sich auch den einen oder anderen kleinen Patzer oder Publikums-Einwurf einspielen, um sich vorzubereiten. Kombinieren Sie dieses mentale Training mit Ihrer Entspannungsmethode.

11. Stellen Sie sich Ihr Publikum NICHT in Unterhosen oder als Kohlköpfe vor-wenn dieser Uralt-Trick überhaupt funktioniert, dann immer zu Lasten Ihres Verhältnisses zum Publikum. Oder möchten Sie von jemandem angeredet werden, der Sie für einen Kohlkopf hält?

Grundsätzlich ist gegen Lampenfieber nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Ein gewisses Maß an Aufregung ist dem Redeerfolg durchaus zuträglich. Solange der Stress-Pegel nicht zu hoch ist sind wir aktiviert und fokussiert. Die meisten Menschen sind auf einem mittleren Stress-Niveau optimal leistungsfähig. Erst darüber hinaus führt die Anspannung zu regelrechten Blockaden mit Black Out.

Machen Sie folgenden Test: Wenn Sie die Anspannung vor einem Vortrag gut spüren können, stellen Sie sich eine Skala vor, die von 0 bis 10 reicht. Wie stark empfinden Sie jetzt ganz subjektiv in diesem Moment den Stress? 0 bedeutet, Sie spüren nichts; 10 bedeutet, dass ein schlimmerer Stress momentan gar nicht vorstellbar ist. Wohlgemerkt: Nicht was Sie morgen möglicherweise spüren werden ist hier interessant, sondern was Sie jetzt und hier in genau diesem Moment spüren.

Liegen Sie bei 4-5?-Herzlichen Glückwunsch! Sie befinden sich im optimalen Zustand für einen öffentlichen Auftritt. Sollten Sie regelmäßig über sechs liegen und bringen die oben genannten Tipps keine Besserung, sollten Sie ein Lampenfieber-Coaching in Betracht ziehen. Dort werden Auftrittsblockaden mit hocheffizienten Methoden in wenigen Stunden aufgelöst.

Jörg Abromeit

® Die Redeakademie | Kurt-Schumacher-Straße 2 | 53113 Bonn

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